Du liest: Die 10 häufigsten Fehler im Umgang mit Hubarbeitsbühnen

Hubarbeitsbühnen sind ausgereift, leistungsfähig und sicher – wenn man sie richtig nutzt. Doch genau hier liegt das Problem:

Viele Fehler passieren nicht aus Unwissenheit, sondern aus Routine, Zeitdruck oder schlicht Nachlässigkeit. Und genau das macht sie so gefährlich.

In diesem Beitrag findest du die zehn häufigsten Fehler – nicht als bloße Liste, sondern als echte Warnzeichen aus der Praxis. Wenn du mit einer Bühne arbeitest, solltest du jeden einzelnen Punkt kennen.

Die 10 häufigsten Fehler im Umgang mit Arbeitsbühnen

1. Keine Schulung – keine Kontrolle

„Ich fahr das Ding schon irgendwie.“

Ein Satz, den man leider immer wieder hört. Doch eine Bühne ist kein Gabelstapler, kein Transporter und schon gar kein Spielzeug. Wer ungeschult loslegt, weiß nicht, wie der Notablass funktioniert, welche Hebel was tun oder was bei Seitenlast passiert.

Realität: Die meisten schweren Unfälle passieren bei Personen ohne gültige Schulung oder ohne Einweisung am Gerät.

Regel: Keine SYSTEM-CARD, keine Bühne. Ganz einfach.

2. Keine Sicherung – kein Schutz

Der Anschlagpunkt ist da. Der Gurt auch. Und trotzdem ist niemand gesichert.

Weil’s „nur kurz“ ist, weil der Gurt stört oder weil man es halt nie macht. Wer so denkt, hat das Prinzip nicht verstanden: Die PSAgA schützt dich nicht dann, wenn du dran denkst – sondern wenn du überrascht wirst.

Merke: Ohne Gurt reicht ein kleiner Ruck – und du bist raus. 

3. Der Korb ist voll – aber keiner zählt nach

Drei Leute im Korb. Zwei Eimer Farbe. Eine Werkzeugkiste. Und keiner weiß, wie viel das wiegt.

Was passiert? Der Schwerpunkt verlagert sich, das System wird instabil – besonders bei seitlicher Ausladung. Viele Bühnen kippen nicht, weil sie schlecht gebaut sind – sondern weil oben einfach zu viel passiert.

Faustregel: Korblast = heilig. Und gleichmäßige Verteilung ist keine Option, sondern Pflicht.

4. Der Boden ist „schon okay“ – bis er’s nicht mehr ist

Betonplatte, leichtes Gefälle, kein Problem, oder?

Doch. Genau da kippen Bühnen. Weil jemand das leichte Gefälle unterschätzt hat, eine Bodenplatte unter der Stütze vergessen wurde – oder weil der Untergrund bei Regen einfach wegsackt.

Klartext: Wenn der Boden nicht 100 % tragfähig und eben ist, wird jeder Zentimeter zum Risiko.

5. Ohne Blick für Gefahren = Arbeiten im Blindflug

Du fährst rückwärts, der Schwenkarm kommt hoch – und plötzlich klemmt die Bühne zwischen Stahlträger und Hallendecke.

Das passiert nicht, weil du unfähig bist. Sondern weil keiner vorab den Bereich gecheckt hat. Keine Sichtprüfung. Keine Absprache. Kein Plan.

Besser: Baustelle begehen, Gefährdung erkennen, festhalten. Nicht reagieren – sondern vorher wissen.

6. Der Wind ist da – aber du bleibst trotzdem oben

Windstärke 6 klingt nicht schlimm – aber in 15 Metern Höhe fühlt sich das anders an.

Der Korb fängt an zu schwingen, Material kippt, der Arm zieht nach. Was unten harmlos aussieht, wird oben schnell gefährlich.

Grenze laut EN 280: maximal 12,5 m/s – also Windstärke 6. Darüber: Einsatz abbrechen. Ohne Diskussion.

Fahrbare Hubarbeitsbühnen (FHAB) sind nach EN 280 in der Regel für eine maximale Windlast von 6 Beaufort ausgelegt!
Stärke Bezeichnung Auswirkungen m/sek von m/sek bis
0 Windstille Rauch steigt senkrecht auf. 0 <1
1 Leiser Zug Rauch zeigt Windrichtung an. 0.3-1.5 1-5
2 Leichte Brise Blätter bewegen sich leicht. 1.6-3.3 6-11
3 Schwache Brise Blätter und dünne Zweige bewegen sich. 3.4-5.4 12-19
4 Mäßige Brise Kleine Äste bewegen sich. 5.5-7.9 20-28
5 Frische Brise Bäume beginnen zu wiegen. 8.0 10.7
6 Starker Wind Größere Zweige bewegen sich. 10.8-13.8 39-49
7 Steifer Wind Bäume schwanken. 13.9-17.1 50-61
8 Stürmischer Wind Bäume werden entwurzelt. 17.2 20.7
9 Sturm Erhebliche Schäden an Gebäuden. 20.8-24.4 75-88
10 Schwerer Sturm Schwerwiegende Zerstörungen. 24.5-28.4 89-102
11 Orkanartiger Sturm Verwüstende Auswirkungen. 28.5-32.6 103-117
12 Orkan Extrem gefährlich. 32.7 >117 

7. Kein Abstand – kein Spielraum für Fehler

Kollisionen passieren nicht beim Fahren – sondern beim Schwenken, Heben oder Rückwärtssetzen.

Wenn keine Sicherheitsabstände eingehalten werden, reichen ein paar Zentimeter für den Crash. Besonders tückisch: Rohre, Fensterrahmen, überstehende Träger.

Regel: Immer mit Luft nach allen Seiten arbeiten – oder mit Einweiser. Und bei Unsicherheit: lieber einmal aussteigen als einmal zu viel riskieren.

8. Bedienung nach Bauchgefühl

„Wie schwer kann das schon sein?“ – Schwer genug, um Fehler nicht zu verzeihen.

Betriebsanleitung ignorieren, Notablass nie getestet, Fahrmodus nicht verstanden – all das rächt sich im Einsatz. Die Steuerung ist komplexer als gedacht, und was intuitiv scheint, führt oft direkt in den Fehler.

Besser: Anleitung lesen. Gerät kennenlernen. Keine Experimente.

9. Technik ohne Wartung – tickende Zeitbombe

Wenn’s quietscht, ist’s zu spät.

Wartung wird gerne verschoben. Besonders bei firmeneigenen Geräten. Hydraulik verliert Druck, Sensoren fallen aus, Akkus halten nicht – aber „die Bühne fährt ja noch“. Bis sie es nicht mehr tut. Und du mittendrin stehst.

Bei BIBERGER kein Thema: Jede Bühne wird vor Übergabe technisch geprüft – mit Nachweis. Darauf kannst du dich verlassen.

10. Kopf nicht bei der Sache

Müdigkeit, Hektik, Handy in der Hand – und plötzlich fährt die Bühne gegen die Wand.

Die größte Gefahrenquelle ist und bleibt der Mensch. Wer abgelenkt, gestresst oder unkonzentriert ist, trifft schlechte Entscheidungen – und zwar blitzschnell.

Lösung: Volle Konzentration, keine Nebenaufgaben im Korb. Und wenn du müde bist, steig aus. Sicherheit geht vor Tempo.

Fazit: Technik schützt dich – aber nur, wenn du mitdenkst

Eine Hubarbeitsbühne ist kein Risiko. Aber sie wird eines, wenn du die Verantwortung nicht ernst nimmst. Die meisten Fehler passieren nicht aus Unwissen – sondern weil man es „schon so oft gemacht hat“.

Deshalb gilt:

  1. Wer mitdenkt, arbeitet sicher.
  2. Wer plant, verhindert Unfälle.
  3. Und wer Verantwortung übernimmt, schützt sich und andere.

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