Das Wichtigste in Kürze
Magni-Teleskoplader verfügen über ein modernes CAN-Bus-Diagnosesystem, das über 170 mögliche Fehlermeldungen erkennen kann. Die meisten Störungen sind keine echten Defekte, sondern Sicherheitsfunktionen, die das Gerät vor Schäden oder Überlastung schützen. Typische Ursachen sind feuchte Steckverbindungen, fehlerhafte Drucksensoren, Kalibrierprobleme am Joystick oder unterbrochene CAN-Signale. Wer die Bedeutung der SPN/FMI-Codes kennt, kann Risiken besser einschätzen und Stillstand vermeiden.
Nur geschulte Techniker dürfen Fehler löschen oder Systeme kalibrieren, während der Bediener verpflichtet ist, Warnmeldungen zu dokumentieren und das Gerät bei kritischen Fehlern sofort stillzulegen. Das integrierte MyMagni-System speichert alle Fehler automatisch und informiert Vermieter in Echtzeit. So bleibt der Einsatz sicher, die Maschine geschützt und die Arbeit gesetzeskonform nach DGUV-Standard.
Zeigt dein Magni Teleskoplader (RTH / HTH-Serie) plötzlich eine Warnung, ist das selten ein Totalausfall. Meist greift eine Sicherheits- oder Schutzfunktion. Dieser Leitfaden erklärt die wichtigsten Fehlercodes, ihre Bedeutung und wie du richtig reagierst.
Arbeitsschutz-Hinweis: Fehlercodes sind Warnsignale, keine Freigabe zur Weiterarbeit. Auch ohne sichtbare Warnung gilt: vor jedem Einsatz Sicht- und Funktionsprüfung nach DGUV.
Grundlagen und Systemaufbau
Magni-Teleskoplader nutzen ein CAN-Bus-Diagnosesystem nach J1939-73. Es erkennt über 170 Fehlermeldungen. Grundlage ist das Diagnostic Manual UM Diagnostica RTH REV.01 mit definierten SPN/FMI-Kombinationen und Kritikalitätsstufen.
Steuergeräte und Diagnosepfad
-
CCU (Central Control Unit): zentrale Logik
-
Motor-ECU: Mercedes oder Deutz-Steuerung
-
DM1-CAN-Gateway: sammelt alle Meldungen
-
Anbaugeräte-Erkennung: Potentiometer-System
-
Funksensoren: Fernbedienung und Position
Diagnose am Touch-Display
- Automatische Fehlerspeicherung
- Live-Daten (Druck, Sensorwerte)
- System-Kalibrierung
- Notablass-Tests
Praxis-Tipp: Die Fehlernummern erscheinen als SPN / FMI. Diese Kombination zeigt was defekt ist (SPN) und wie es defekt ist (FMI).
SPN vs. FMI – Kurz erklärt
Beispiel: SPN 1015 + FMI 1 = „Gaspedal-Spannung zu niedrig“. SPN 1015 + FMI 3 = „Spannung zu hoch“. So kann der Techniker den Ausfall sekundengenau eingrenzen.
Wer darf Fehlercodes lesen und löschen?
Bedienerpflichten
- Code ablesen und dokumentieren
- Gerät bei kritischen Warnungen stilllegen
- Foto oder Video an Vermieter senden
- Eintrag im Prüfbuch vornehmen
Befugte Techniker
- Magni-zertifizierte Servicetechniker
- Sachkundige nach DGUV 308-009 / TRBS 1203
- Autorisierte Mietfirmen mit Herstellerschulung
Hinweis: Fehler lesen ≠ Reparieren. Eingriffe in Hydraulik oder Software nur durch befähigte Personen.
Fehlercodes nach Systembereich
Hydraulische Drucksensor-Fehler (SPN 5241–5299)
| SPN |
Fehlercode |
Bedeutung |
Ursache |
| 5261–5262 |
MCyl_PHA_TMin/TMax |
Rod-Seite außerhalb Bereich |
Sensor defekt oder unplausibel |
| 5268 |
MCyl_PHD_MaxDiff |
Signal A/B abweichend |
Kalibrierung oder Leck |
| 5241–5242 |
MCyl_PLA_TMin/TMax |
Kolbenseite außer Bereich |
Sensor ausgefallen |
Ausleger-Sensoren (SPN 5271–5274)
| SPN |
Fehlercode |
Bedeutung |
| 5271–5272 |
R1A/B_TOut |
Positionssignal unterbrochen |
| 5273 |
R1D_MaxDiff |
Redundante Signale abweichend |
| 5274 |
R1D_CrossPoint |
Potentiometer blockiert |
Neigungssensoren (SPN 5280–5289)
| SPN |
Fehlercode |
Kritikalität |
Folge |
| 5280–5281 |
AL_TOut_AmuCA/B |
Hoch |
Niveauausgleich deaktiviert |
| 5284–5289 |
CTilt_X/Y |
Hoch |
Neigung nicht messbar |
Überlastvermeidung (SPN 5320–5322)
| Code |
Alarmstufe |
Reaktion |
| 5320 |
100 % |
Warnung, Bewegung limitiert |
| 5321 |
110 % |
Nur Entlastung möglich |
| 5322 |
120 % |
Komplettsperre bis Entlastung |
CAN-Bus / Kommunikation (SPN 5400–5411)
| SPN |
Fehlercode |
Bedeutung |
Auswirkung |
| 5400–5402 |
AL_TOut_MtoL |
CAN-Nachricht fehlt |
Steuerung unterbrochen → Stillstand |
| 5410 |
SlewAux_EncoderFault1 |
Encoder nicht erkannt |
Drehantrieb fällt aus |
Motor- und Antriebsfehler (J1939 SPN/FMI)
| SPN |
FMI |
Fehlercode |
Bedeutung |
Konsequenz |
| 1015 |
1 |
Accelerator PWM |
Spannung fehlt |
Maschine startet nicht |
| 1072 |
3 |
Decompression Brake |
Offener Stromkreis |
Bremswirkung reduziert |
| 1127 |
1 |
Turbo Underboost |
Ladedruck zu gering |
Leistung reduziert |
| 1184 |
0–3 |
Turbine Temp High |
Überhitzung |
Thermobegrenzung |
| 1233 |
9 |
AdBlue Tank Level Low |
Tank leer |
SCR Abschaltung droht |
| 1234 |
9 |
SCR Catalyst Efficiency |
Katalysator unwirksam |
Abgasfehler, Leistungsdrossel |
| 5356 |
5 |
DPF Regeneration |
Regeneration erforderlich |
Leistung limitiert |
Häufigste Fehler in der Praxis
| Rang |
Fehler |
Häufigkeit |
Stillstand? |
Reparaturdauer |
| 1 |
Joystick-Kalibrierung |
35 % |
Nein |
15–30 Min. |
| 2 |
Drucksensor Differenz |
25 % |
Ja |
45–120 Min. |
| 3 |
CAN-Kommunikation |
15 % |
Ja |
30–90 Min. |
| 4 |
Neigungssensor Timeout |
12 % |
Teilweise |
60 Min. |
| 5 |
Ausleger-Potentiometer |
10 % |
Ja |
90–240 Min. |
Saisonale Fehlerquellen und Wartungshinweise
Magni-Teleskoplader reagieren unter Umständen auf Temperatur, Feuchtigkeit und lange Standzeiten. Diese Übersicht zeigt, welche Fehlerarten je nach Jahreszeit gehäuft auftreten – und wie du sie vermeidest.
| Jahreszeit |
Typische Fehlerquellen |
Empfohlene Maßnahmen |
| Winter |
Batterie-Ausfälle, gefrorene Sensoren, zähes Hydrauliköl, AdBlue-Kristallisierung |
Maschine vorwärmen, beheizte Lagerung, Sensoren kalibrieren, AdBlue-Tank leeren oder temperieren |
| Frühjahr |
Feuchtigkeit in Steckern, Korrosion an Kontakten |
Steckverbindungen prüfen, Kontaktspray verwenden, elektrische Systeme testen |
| Sommer |
Überhitzung durch Turbo/DPF, Ausfall von Lüftern oder Temperatursensoren |
Kühlsystem reinigen, Ölstand kontrollieren, regelmäßige Pausen bei hohen Außentemperaturen |
| Herbst |
Kondenswasser in Steuergehäusen, Fehlalarme durch Temperaturschwankungen |
Trockene Lagerung, Dichtungen prüfen, MyMagni-Fehlerprotokoll beobachten |
Schnellcheck bei Fehlermeldung
- Fehlercode (SPN/FMI) notieren oder fotografieren
- Kritikalität prüfen (Rot = sofort stoppen)
- Maschine in sichere Position bringen
- Motor abschalten und Vermietung informieren
- Keine eigenständige Reparatur durchführen
Fazit
Magni-Fehlercodes sind kein Grund zur Panik, sondern präzise Warnungen. Wer sie richtig einordnet, vermeidet Stillstand und Schäden. Mit diesem Leitfaden haben Bediener und Vermieter eine verlässliche Orientierung im täglichen Einsatz.
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Über den Autor
Martin Biberger
Geschäftsführer
Martin ist Gründer und Geschäftsführer von BIBERGER Arbeitsbühnen & Stapler.
Er verantwortet den technischen Bereich. Gemeinsam mit seinem Team ist er zuständig für den technischen Einkauf der Maschinen, die Weiterentwicklung des Maschinenbestands und den reibungslosen Betrieb von über 1.500 BIBERGER Mietgeräten.
Aus langjähriger Erfahrung kennt er die Stärken und Schwachstellen aller Geräteklassen, die möglichen Einsatzbereiche und die technischen Möglichkeiten – immer auch mit Blick auf die Entwicklung der gesamten Branche und zukünftige Innovationen.
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3D-Arm bei Arbeitsbühnen: Technik, Vorteile und Modellcodes im Überblick
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