Ein Moment Unachtsamkeit
7:15 Uhr. Ein Staplerfahrer beginnt die Frühschicht. Routine. Er prüft den Stapler nur flüchtig – Zeitdruck, der LKW wartet. Beim dritten Hub reißt der Gabelzinken an einer alten Schweißnaht. Die Palette kippt, der Kollege kann gerade noch ausweichen. Keine Verletzten, aber das hätte anders ausgehen können.
Solche Situationen passieren täglich – meist nicht aus Unwissenheit, sondern aus Gewohnheit. Der Beruf des Staplerfahrers ist anspruchsvoll und verlangt mehr als reines Fahren. Es geht um Technikverständnis, Verantwortung und permanente Aufmerksamkeit.
Gesetzliche Grundlage: Fahren nur mit Befähigung
Nach DGUV Vorschrift 68 dürfen Flurförderzeuge nur von Personen geführt werden, die mindestens 18 Jahre alt, geeignet und ausgebildet sind. Die Ausbildung erfolgt nach DGUV Grundsatz 308-001 und schließt mit theoretischer und praktischer Prüfung ab. Ohne gültigen Nachweis drohen bei Unfällen Bußgelder, Regressforderungen und der Verlust des Versicherungsschutzes.
Warum Fehler passieren – und wie man sie vermeidet
Die meisten Unfälle entstehen nicht durch Unwissenheit, sondern durch Routine. Fahrer, die jahrelang unfallfrei sind, unterschätzen oft Risiken. Typische Ursachen: Zeitdruck, Ablenkung, fehlende Rückmeldung von Kollegen oder Überlastung im Schichtbetrieb. BIBERGER vermittelt in Schulungen gezielt, wie man diese psychologischen Fallen erkennt und abbaut.
Unfallanalysen der Berufsgenossenschaften zeigen: In Deutschland ereignen sich jährlich über 11.000 meldepflichtige Staplerunfälle – davon rund ein Drittel mit Personenschaden. Fast alle wären vermeidbar gewesen.
Der Tagesstart: Kontrolle vor der ersten Fahrt
Die Schicht beginnt mit der Sicht- und Funktionsprüfung. Sie ist Pflicht und schützt Leben. Eine defekte Hydraulik oder beschädigte Zinke kann katastrophale Folgen haben.
Checkliste Sichtprüfung
- Gabelzinken: Risse, Verformungen, Sicherung
- Hydraulikleitungen: Dichtheit, Scheuerstellen
- Reifen: Zustand, Luftdruck, Radmuttern
- Batterie/Treibgas: Befestigung, Füllstand, Dichtheit
- Lenkung, Bremse, Hupe, Licht
- Fahrerschutzdach und Lastschutzgitter
Mängel dürfen nie ignoriert werden. BIBERGER-Schulungen trainieren, wie Fahrer diese Prüfungen effizient und richtig durchführen – ohne Zeitverlust im Betriebsablauf.
Lastaufnahme und Standsicherheit
Ein Stapler bleibt nur stabil, solange der Schwerpunkt innerhalb des Standsicherheitsdreiecks liegt – begrenzt durch die beiden Vorderräder und den Drehpunkt der Hinterachse. Jede Veränderung von Hubhöhe, Neigung oder Lastverteilung verschiebt diesen Schwerpunkt. Schon wenige Zentimeter entscheiden über Kippgefahr oder Stabilität.
Beispiel aus der Praxis: Ein Kunde aus Niederbayern reduzierte seine Staplerunfälle um 40 %, nachdem BIBERGER in der System-Card-Schulung die Traglast-Analyse mit praktischen Übungen eingeführt hatte.
Lastschwerpunkt Online-Rechner
Fahrverhalten und sichere Abläufe
Hinterradlenkung, Heckschwenk, Trägheit – ein Stapler reagiert anders als ein PKW. Geschwindigkeit, Sicht und Schwerpunkt müssen ständig kontrolliert werden. Besonders bei engen Wegen, Rampen oder unebenen Böden gilt: vorausschauend fahren, Last tief halten, Blick in Fahrtrichtung.
Häufige Fehlverhalten
- Leerfahrt mit hochstehenden Gabeln
- Überhöhte Kurvengeschwindigkeit
- Last einseitig aufgenommen
- Kein Gurt trotz Vorschrift
- Abstellen auf Gefälle oder in Verkehrswegen
Sichere Routine aufbauen
BIBERGER schult Fahrer darin, Abläufe zu standardisieren – „Routine ohne Leichtsinn“. Durch kleine Verhaltensänderungen (z. B. Sichtprüfung dokumentieren, Sicherheitsabstände markieren, wöchentliche Teamchecks) lassen sich Risiken langfristig senken.
Besondere Einsatzsituationen
Schmalganglager
In Schmalganglagern ist der Abstand zu Hindernissen minimal. Hier dürfen nur geschulte Fahrer mit technischer Führung und Personenschutzsystemen arbeiten. BIBERGER trainiert diese Szenarien im eigenen Schulungszentrum – mit realen Engpass-Simulationen.
Außeneinsätze und Gelände
Unebene Böden, Wind, Schrägen – draußen gelten andere Gesetze. Für geländegängige Teleskopstapler ist eine gesonderte Qualifikation nach DGUV 308-009 erforderlich. Schulungen bei BIBERGER umfassen praktische Übungen mit Allrad- und Dreh-Oberwagenstaplern auf dem Testgelände in Schierling.
Karriere und Entwicklung
Staplerfahren ist mehr als ein Job. Wer sich spezialisiert, steigert seinen Marktwert. Mit Zusatzausbildungen für Schubmast- oder Teleskopstapler sind laut Branchenstatistik Gehaltssteigerungen von 15–25 % realistisch. Auch Aufstiegsmöglichkeiten zum Schichtführer oder Logistikmeister stehen offen – BIBERGER begleitet Teilnehmer auf diesem Weg.
Digitalisierung und Assistenzsysteme
Moderne Lager setzen auf Sensorik und KI. Flottenmanagement-Systeme von Herstellern wie Jungheinrich, Linde oder Still analysieren Fahrverhalten, Energieverbrauch und Wartungszyklen in Echtzeit. Kollisionserkennung, Geschwindigkeitsbegrenzung in Zonen und automatische Hubhöhenbegrenzung erhöhen die Sicherheit messbar.
BIBERGER integriert diese Entwicklungen in Schulungen und erklärt, wie Fahrer digitale Systeme effektiv nutzen, ohne sich auf sie zu verlassen. Der Mensch bleibt der entscheidende Sicherheitsfaktor.
SYSTEM-CARD-Schulung bei BIBERGER
Die SYSTEM-CARD® Staplerschulung bei BIBERGER kombiniert Theorie, Praxis und E-Learning. Die Teilnehmer absolvieren reale Fahrübungen mit unterschiedlichen Gerätetypen, lernen Unfallprävention praktisch und können ihre jährliche Unterweisung online absolvieren. Unternehmen erhalten alle Nachweise für Berufsgenossenschaft und Audit.
BIBERGER betreibt Schulungszentren in Schierling bei Regensburg sowie Partnerstandorte in Landshut, Dingolfing und München. Für Großkunden bietet das Team Inhouse-Schulungen mit Mietgeräten und Sicherheits-Workshops direkt im Betrieb.
Fazit: Sicherheit entsteht aus Bewusstsein
Staplerfahren ist Präzisionsarbeit – Routine schützt nicht vor Gefahr. Wer die Technik versteht, Abläufe prüft und Sicherheitsregeln konsequent lebt, fährt nicht nur besser, sondern schützt Kollegen, Material und Betrieb.





























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Unser redaktioneller Qualitätsanspruch
Die Fachinhalte auf biberger.de werden redaktionell erstellt, geprüft und fortlaufend gepflegt. Grundlage ist unsere tägliche Arbeit mit Arbeitsbühnen, Teleskopstaplern und Flurförderzeugen – in Vermietung, Verkauf, Einsatzplanung und technischer Betreuung.
Jeder Beitrag entsteht aus realen Erfahrungswerten und wird redaktionell nach Fachkriterien auf Verständlichkeit, Genauigkeit und Praxisbezug überprüft. Technische Aussagen werden regelmäßig gegen aktuelle Branchenstandards und bewährte Verfahren abgeglichen.
Ziel unserer Veröffentlichungen ist es, verlässliches Fachwissen zugänglich zu machen und Anwendern, Entscheidern und Branchenpartnern Orientierung zu bieten. BIBERGER versteht sich als unabhängige Informationsplattform für sichere, wirtschaftliche und moderne Höhenzugangstechnik – fundiert, nachvollziehbar und frei von werblichem Einfluss.
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