Moderne Baumaschinen sind heute hochvernetzte Systeme. Sensoren, Steuergeräte und Sicherheitsmodule kommunizieren ständig miteinander – und das geschieht über den sogenannten CAN-Bus.
Der CAN-Bus ist im Grunde das Nervensystem jeder modernen Maschine. Wer versteht, wie er arbeitet, kann Störungen schneller einordnen, Ausfälle verhindern und die Maschine sicherer betreiben.
CAN-Bus einfach erklärt
CAN steht für Controller Area Network. Es wurde von Bosch entwickelt, um mehrere Steuergeräte mit nur zwei Leitungen zu verbinden – CAN High und CAN Low. Diese verdrillten Kupferkabel übertragen digitale Signale in Echtzeit, die alle Komponenten verstehen. So kommunizieren Motorsteuerung, Hydraulik, Neigungssensoren und Joysticks ohne Verzögerung miteinander.
- Übertragungsrate: 250–500 kbit/s
- Maximale Kabellänge: ca. 40 m
- Teilnehmer pro Netzwerk: bis zu 254 Steuergeräte
- Spannungsdifferenz: ca. 2–4 V zwischen CAN H und CAN L
Von J1587 zu J1939 – die Entwicklung
Früher nutzten viele Maschinen herstellerspezifische Systeme (J1587, J1708). Sie waren langsam, ungenau und mussten manuell abgefragt werden. Heute dominiert der internationale Standard SAE J1939 mit seiner Diagnose-Erweiterung J1939-73. Er sorgt dafür, dass Motor, Hydraulik und Steuerung dieselbe Sprache sprechen – herstellerübergreifend.
- Bis 2010: J1587/J1708 – reaktive Fehlerdiagnose, kaum standardisiert
- Ab 2013: J1939-73 – aktive Fehlerkommunikation (DM1–DM3)
- Ab 2024: J1939-14 – neue Generation mit 500 kbit/s Übertragungsrate
So funktioniert die Diagnose nach J1939-73
Das System arbeitet mit sogenannten Diagnostic Messages (DM). Sobald ein Sensor oder Steuergerät eine Abweichung erkennt, sendet es automatisch eine Meldung über den Bus – ganz ohne Werkstattgerät.
- DM1: aktive Fehler, werden jede Sekunde übertragen
- DM2: inaktive Fehler, bereits behoben
- DM3: Live-Sensordaten ohne Fehler
Damit erhält der Techniker alle relevanten Informationen in Echtzeit: was passiert ist, wie schwer der Fehler ist und wie oft er bereits auftrat.
Aufbau der Fehlercodes
Jeder Fehler besteht aus zwei Teilen:
- SPN (Suspect Parameter Number): beschreibt das betroffene Bauteil
- FMI (Failure Mode Identifier): beschreibt die Art des Fehlers
Beispiel:
SPN 5261 + FMI 1 = Drucksensor Hubzylinder – Signal zu niedrig
Damit kann ein Techniker sofort unterscheiden, ob es sich um einen elektrischen Fehler, einen Hydraulikverlust oder ein Kommunikationsproblem handelt.
FMI-Bedeutungen im Überblick
| FMI | Fehlerart | Typische Bedeutung |
|---|---|---|
| 0 | Daten unvollständig | Sensor antwortet nicht |
| 1 | Signal zu niedrig | Spannung oder Druck unter Sollwert |
| 2 | Signal zu hoch | Überspannung, Kurzschluss |
| 3 | Unerwartete Anomalie | Elektrischer Störimpuls |
| 4 | Frequenz/Pulsweite fehlerhaft | Sensor liefert instabiles Signal |
| 5 | CAN-Nachrichtenrate zu niedrig | Verbindung abgebrochen |
| 6 | CAN-Nachrichtenrate zu hoch | Signalüberflutung, Kommunikationsfehler |
| 7 | Mechanisch verkantet | Potentiometer blockiert |
| 9 | Nachricht fehlt | Kabelbruch oder Steckerfehler |
| 31 | Unbekannt | Fehler vorhanden, aber nicht zugeordnet |
Welche Hersteller welches System nutzen
| Hersteller | Systemtyp | Beschreibung |
|---|---|---|
| Magni | J1939-73 | Vollständige CAN-Integration mit Deutz-Motor, DM1 alle 1 Sekunde |
| Merlo | Hybrid (MD-Coder + J1939) | Motor = Standard J1939, Aufbau = proprietär |
| Manitou | Proprietär Hex-Code | Teilweise J1939-kompatibel, viele Sondercodes |
| JLG | Eigenes CAN-System | Unit Group Module (UGM), teilweise J1939-ähnlich |
| Genie | CAN Varianten | Modellabhängig, Fehleranzeige über Display |
| CAT | Proprietär | Nur CAT Service Advisor kompatibel |
| Deutz | J1939-73 | Standardisierte Motorsteuerung (SPN 1000-1500) |
| Landmaschinen (Claas, Fendt) | ISOBUS (ISO 11783) | Erweiterter J1939-Standard für Landtechnik |
Top-6 CAN-Fehler in der Praxis
Diese Fehler treten in Werkstätten und Mietparks am häufigsten auf. Die Tabelle zeigt typische Symptome, Messwerte und praktische Hinweise.
| Fehler | SPN / FMI | Typische Spannung (V) | Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|---|---|
| Joystick Signal fehlerhaft | 5300 / 3 | 0 V (statt 0,5–4,5) | Kabelbruch oder verkantetes Potentiometer | Joystick neu kalibrieren oder ersetzen |
| Drucksensor Hubzylinder A/B Differenz | 5261 / 1 | 1,2 V (statt 2,5) | Hydraulikleck oder korrodierter Stecker | Sichtprüfung + Kontaktspray, Sensor messen |
| CAN-Bus Timeout | 5400 / 9 | CAN L: 0 V – CAN H: 4,8 V | Abschlusswiderstand defekt oder Kabelbruch | Widerstand prüfen (60 Ω zwischen H und L) |
| Neigungssensor Timeout | 5280 / 0 | Keine Kommunikation | Feuchtigkeit oder Frost im Sensor | Sensor trocknen / ersetzen |
| Gaspedal Spannung zu niedrig | 1015 / 1 | 1 V (statt 5 V) | Defektes Potentiometer oder Stecker oxidiert | Spannung messen + Ersatzteil tauschen |
| Überlastmeldung Hydraulik | 5321 / 3 | Signal 0 V → Spitzenwert > 12 V | Überspannung durch Hydraulikstoß | Systemdruck prüfen / Ventil kalibrieren |
Saisonale Einflüsse
Winter
- Batteriespannung unter 24 V: führt zu CAN-Fehlern und Startproblemen.
- Hydrauliköl zu zäh: Drucksensoren melden „Signal zu niedrig“.
- Gefrorene Neigungssensoren: typischer Fehler SPN 5280 / FMI 0.
Sommer
- Feuchtigkeit und Korrosion: häufige SPN 5400 / FMI 9 Meldungen.
- UV-Alterung: spröde Kabelisolierungen, Kontaktprobleme zunehmen.
Bedienerpflichten und rechtliche Vorgaben
Nach DGUV 308-009 müssen Bediener Fehleranzeigen verstehen und richtig reagieren. Das Löschen von Fehlern ist ausschließlich autorisierten Technikern erlaubt. Fehlermeldungen dürfen nicht ignoriert werden – auch nicht, wenn die Maschine noch funktioniert.
- Fehler erkennen und im Prüfbuch dokumentieren
- Bei kritischen Warnungen Maschine stilllegen
- Vermieter oder Werkstatt sofort informieren
- Keine Manipulation oder Überbrückung von Sensoren
Diagnose-Werkzeuge im Überblick
- MyMagni Portal: Cloud-basierte Fehlerüberwachung inkl. GPS und Wartungs-Historie
- MerloDiag: PC-Software für MD-Coder Systeme (USB-Dongle)
- JLG Analyzer: Handgerät zur direkten CAN-Abfrage
- MultiECUScan: Universelles Diagnose-Tool für J1939 und OBD-Protokolle
Zukunft des CAN-Bus
Die Entwicklung geht in Richtung höherer Geschwindigkeiten und Cloud-Diagnose. Mit J1939-14 und CAN-FD wird der Datendurchsatz verdoppelt, was präzisere Fehleranalyse und Predictive Maintenance ermöglicht.
- J1939-14: 500 kbit/s Standard ab 2025 (kompatibel zu älteren Systemen)
- CAN-FD: bis 5 Mbit/s, mehr Daten pro Nachricht (64 Byte statt 8)
- Wireless Diagnostics: Fehleranalyse über LTE/5G
- AI-gestützte Fehlervorhersage: Analyse historischer DM1-Daten
Fazit
Der CAN-Bus ist die Nervenzentrale moderner Baumaschinen. Wer die Struktur und Fehlerlogik nach J1939-73 versteht, spart Zeit, vermeidet Stillstand und erhöht die Sicherheit am Arbeitsplatz.
Ob Magni, Merlo oder JLG – alle arbeiten nach ähnlichem Prinzip: Fehler früh erkennen, richtig reagieren und systematisch beheben. So wird aus komplexer Elektronik ein verlässlicher Alltagspartner auf der Baustelle.





























Share:
Magni Diagnose-Leitfaden: Fehlermeldungen richtig deuten
Staplerfahrer werden: sicher, geschult und verantwortungsbewusst
Unser redaktioneller Qualitätsanspruch
Die Fachinhalte auf biberger.de werden redaktionell erstellt, geprüft und fortlaufend gepflegt. Grundlage ist unsere tägliche Arbeit mit Arbeitsbühnen, Teleskopstaplern und Flurförderzeugen – in Vermietung, Verkauf, Einsatzplanung und technischer Betreuung.
Jeder Beitrag entsteht aus realen Erfahrungswerten und wird redaktionell nach Fachkriterien auf Verständlichkeit, Genauigkeit und Praxisbezug überprüft. Technische Aussagen werden regelmäßig gegen aktuelle Branchenstandards und bewährte Verfahren abgeglichen.
Ziel unserer Veröffentlichungen ist es, verlässliches Fachwissen zugänglich zu machen und Anwendern, Entscheidern und Branchenpartnern Orientierung zu bieten. BIBERGER versteht sich als unabhängige Informationsplattform für sichere, wirtschaftliche und moderne Höhenzugangstechnik – fundiert, nachvollziehbar und frei von werblichem Einfluss.
Alle Inhalte dienen der fachlichen Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechts- oder Sicherheitsberatung. Trotz größter Sorgfalt können wir keine Gewähr für Vollständigkeit, Aktualität oder die Anwendung im konkreten Projektfall übernehmen.